Impuls Dezember 2025

„Rorate caeli desuper et nubes pluant justum“

„Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken,
regnet den Gerechten!
Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor,
sie lasse Gerechtigkeit sprießen.
Ich, der HERR, erschaffe es.“ (Jes 45,8)

Diese Worte des Propheten Jesaja lauten auf Lateinisch so: „Rorate caeli desuper et nubes pluant justum.“
Diese Worte sind die Namensgeber für die Rorate-Messen, die wir im Advent wieder feiern werden.
Unsere Kirchen werden dabei dunkel sein und nur Kerzenschein wird uns helfen, unsere Plätze einnehmen und Gebete und Lieder lesen zu können.
Manche sagen, das sei gemütlich, auf jeden Fall aber eine besondere Atmosphäre.

Tatsächlich soll diese besondere Dunkelheit aber an etwas anderes erinnern:
Sie soll zunächst die Situation des Volkes Israel zur Zeit des Propheten verdeutlichen:
Nach Jahren des Krieges, der Verwüstung und Verschleppung, jahrzehntelanger Gefangenschaft und Demütigung ist der Zukunftsglaube Israels erloschen, das Vertrauen in die eigenen Kräfte gebrochen.
Alles finster, keine Lichtblicke.
Nur Gott könnte noch helfen, aber will er überhaupt?
ER will!

Durch den Propheten Jesaja kündigt er es an:
Von oben, vom Himmel kommt seine Hilfe wie Tau, der sich plötzlich auf das Land legt, wie Regen aus den Wolken.

Gott verspricht, dass er Geschichte schreibt:
„Ich, der Herr, erschaffe es!“
Aber die Menschen müssen mitwirken.
Wie die Erde den Tau und Regen aufnimmt, muss der Mensch empfänglich sein für die Gabe Gottes und mitwirken, Frucht bringen.

Die Prophezeiungen Jesajas sind über 500 Jahre alt, als Gott auf der Erde einen Menschen findet, der mitspielt:
Maria nimmt an, was Gott ihr anvertraut, und bringt den Gerechten zur Welt.
Im Weihnachtsgottesdienst werden wir deshalb wieder den Propheten Jesaja hören mit den Worten:
„Das Volk, das im Finstern lebt, sieht ein helles Licht. Denn uns ist ein Kind geboren.“ (Jes 9,1.5)

Rorate-Messen erzählen nicht nur von damals, sie stellen auch unsere Situation dar:
Unsere Dunkelheiten und Verzweiflung, Sehnsucht nach Licht.
Sie fordern unseren Glauben an die Verheißung Gottes heraus und wollen uns Christen – im wahrsten Sinne des Wortes – provozieren.
Sie wollen den Christen hervorrufen, der bereit ist zu zeigen, was in ihm steckt seit Gott sich in der Taufe mit ihm verbunden hat.

Gebe Gott, dass wir zu einer gnadenbringenden Weihnachtszeit beitragen!

Ihr Propst Thomas Berkefeld