Creutzburg-Orgel

Creutzburg-Orgel der Basilika

 

 

 

Die Creutzburg-Orgel

Am 23. April 1733 begann der Orgelbauer Johannes Creutzburg mit den Arbeiten an der großen Orgel in Duderstadt, wie er es in seinem heute noch existierenden Werkstatt- und Tagebuch vermerkt hat. An anderer Stelle notiert er: Ao 1735 ist die Orgel in Duderstadt ferdig worden. Creutzburg hat in Duderstadt, von seinen insgesamt 14 nachweisbaren Orgelbauten, sein größtes und bedeutendstes Werk geschaffen. Die Orgel gehörte wegen ihrer großzügigen Ausstattung mit 43 Registern auf drei Manualen und Pedal zu den herausragenden Werken zwischen Thüringen und dem Harz. Sie stand ebenbürtig neben den Instrumenten von Heinrich Gottfried Trost, Johann Friedrich Wender, Johann Christian Dauphin und Christoph Treutmann. Im Laufe der Zeit erfuhr sie fünf wesentliche Eingriffe, die dem jeweiligen Zeitgeschmack unterlagen. Nicht alle davon erfolgten in der gewünschten Qualität. Nach einer langjährigen Vorbereitungsphase führte die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen in den Jahren 2005/2006 eine Restaurierung durch, die sich weitgehend an Creutzburgs Original orientiert. Einige wenige Register aus späteren Erweiterungen blieben ebenfalls erhalten, ein neues wurde der Disposition hinzugefügt (Unda maris 8′). Die Registerbeschriftung am Spieltisch lässt diese späteren Zutaten an einer Schriftart aus der jeweiligen Entstehungszeit erkennen. Bei der letzten Restaurierung konnte auch das gerühmte und häufig zitierte Register Vox humana (Menschenstimme) wieder vollständig rekonstruiert werden. Im Werkstattbuch Creutzburgs finden sich u. a. Mensurenangaben und Skizzen zum Bau dieser Registerstimme. Zudem überlebten einige Schallbecher die verschiedenen Umbauten. Joseph Maria Homeyer, 1867–1894 Organist an St. Cyriakus und bekannter Konzertvirtuose, berichtet von diesem Register, dass er bei seinen zahlreichen Konzertreisen nur in Haarlem (Niederlande) und in Freiburg (Schweiz) ähnliche Voces humanae vorgefunden habe. Die farbliche Fassung des reichen Prospektes befindet sich trotz leichter späterer Ergänzungen im Originalzustand der Entstehungszeit. An den Gehäusearbeiten waren der Bildhauer E. Merten, der Maler D. Contzen und der Drechsler J. C. Riepenhausen beteiligt. Die Pedaltürme wurden im 19. Jahrhundert um knapp zwei Meter nach vorn verlegt, um Raum für weitere Register zu schaffen. Bei der letzten Restaurierung beschränkt sich der Restaurator Reinhold Gonschior auf eine behutsame Reinigung, einige Retuschen und farbliche Angleichungen.


Disposition

Die Creutzburg-Orgel verfügt über 43 Register, welche sich auf drei Manuale und das Pedal verteilen. Nachfolgend finden Sie die Disposition in originaler Schreibweise, wie auf den Registerzügen am Spieltisch angegeben sowie einige technische Daten zur Orgel.

 

1. Principal 8′
2. Unda maris 8′ 
3. Bordun 16′
4. Viola di gamba 8'
5. Gemshorn 8′
6. Gedackt 8′
7. Octav 4′
8. Spitzflöte 4′
9. Quinta 3′
10. Super octav 2′
11. Tertia 1 3⁄5′
12. Cornett IV
13. Mixtur VI
14. Trompeta 8′

15. Principal 4′
16. Quintadehna 8′
17. Spitzflöta 8′
18. Gedackt 4′ 
19. Quintflöta 3′ 
20. Octav 2′ 
21. Nachtflöta 2′ 
22. Sexquialtera II 
23. Scharff IV 
24. Vox humana 8′
Tremulant

25. Gedackt 8′ 
26. Rohrflöta 4′ 
27. Principal 2′ 
28. Flageolet 2′ 
29. Quinta 1 1⁄2′ 
30. Cymbal II 
31. Fagott 8′ 
Tremulant

32. Untersatz 32′ 
33. Principal 16′
34. Sub Bas 16′ 
35. Octav 8′
36. Gedackt 8′
37. Octav 4' 
38. Mixtur VI
39. Posaunen Bas 16′ 
40. Trompeta 8′

Brustpedal (Seitenbässe)
41. Principal 2′
42. Waldflöta 1′
43. Cornet 4′

Koppeln: II/I (Schiebekoppel), I/P; Cammerthon Coppel in III (2 × 1 HT)

Nebenregister: 2 Zymbelsterne (auf C und G), Vogelgeßang (mehrere Pfeifen in einem Wasserbecken), Calcant (Glöckchen im Balghaus)

Technische Daten:

Stimmtonhöhe 471,2 Hz bei 15°
Stimmung: Neidhardt II (1724)
Windversorgung durch sechs Keilbälge (Kalkantenbetrieb möglich)
Winddruck: Manual 80 mm WS, Pedal 88 mm WS